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Adler intern - 29.01.2022

Der Herr der Tischtennis-Zeilen

Von Frank Fork

Hallo Leute,

vor einigen Wochen ist in der WAZ ein sehr schöner längerer Artikel über Winfried veröffentlich worden, in dem man wieder einmal nachlesen kann, welche unfassbare, herausragende und phantastische Arbeit Winfried in den vergangenen Jahrzehnten für unseren Sport und weit darüber hinaus geleistet hat.
Viel Spaß beim Lesen!

Der Herr der Tischtennis-Zeilen

Im Alter von 89 Jahren hat Winfried Stöckmann die Freie Mitarbeit in der Lokalsport-Redaktion beendet - 68 Jahre lang war er dabei

Essen „Ist der Stöcki schon da?“ Natürlich ist er da, was für eine Frage an einem Sonntagnachmittag. Der „Stöcki“, wie wir ihn in der Lokalsport-Redaktion nennen, war immer da mit seinen Tischtennis-Texten über die Essener Mannschaften. Wochenende für Wochenende, pünktlich und umfassend berichtet Winfried Stöckmann für WAZ und NRZ über „seine“ Sportart und sorgte dafür, dass auch diese Disziplin neben Fußball oder Handball immer ein Plätzchen bei uns im Blatt bekam. Jahr für Jahr, Jahrzehnt für Jahrzehnt.

Unglaubliche 68 Jahre hat Winfried Stöckmann diesen Job für uns gemacht. Doch den Leserinnen und Lesern wird nicht entgangenen sein, dass der Name oder das Autorenkürzel „W.St.“ nicht mehr auftaucht. „Der Stabwechsel zu meinem Nachfolger Andreas Beckmann (Kreis-Pressewart/ Anm. d. Redaktion) ist offensichtlich geglückt“, meldete sich der Ruheständler vor Kurzem. Und typisch für ihn: Er habe seinen Rückzug am 26. April angekündigt und „am 11. Juli mit meinem letzten Beitrag“ vollzogen - im Alter von 89 Jahren!

So ist er. Nicht nur, wenn es um Tischtennis geht, schaute er penibel auf die Fakten. „Stöcki“ ist genau, sehr genau. Und vor allem korrekt. Kam sein „Sport“ zu kurz im Vergleich zu anderen Disziplinen, schickte er auch mal einen Brief oder eine Mail, worin er dezent das vermeintliche Ungleichgewicht in der Berichterstattung kritisierte. Durch sein unermüdliches Engagement hat sich Stöckmann den Ruf erworben, einer der dienstältesten Tischtennis-Ehrenamtler in ganz Deutschland zu sein. Vor zwei Jahren hatte er nach 65 Jahren und 335 Tagen bei der Jahreshauptversammlung des Kreises Essen nicht mehr für das Amt des Pressewarts kandidiert. 1953 war er zum ersten Mal gewählt worden.

Es war keine Eitelkeit oder überbordender Ehrgeiz, einen Altersrekord aufzustellen. Es war „die Lust zu schreiben und die Liebe zum Tischtennissport“, sagt Stöckmann, die ihn an der Platte hielten. Und was das Schreiben anbelangt, da bezeichnet er sich als Autodidakt.

Wenn sich keine Mitstreiter fanden, stand er auch für mehrere Ämter gleichzeitig zur Verfügung, die er in seinem Verein DJK Adler Frintrop (heute Adler Union), dem Kreis Essen, dem Bezirk Ruhr und dem Westdeutschen Tischtennis-Verband bekleidete. Natürlich arbeitete er auch für den Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB). Schaut man auf die Liste seiner Tätigkeiten, verliert sich der Blick, wann, wo er in welcher Funktion agierte. Winfried Stöckmann war neben seinem Beruf als Industrie-Kaufmann in der Bergbau-Personalabteilung für den Tischtennissport da, wenn er gebraucht wurde. Als „Herr der Zahlen“ hat sich der Essener ebenfalls einen Namen gemacht, weil er die bundesweite Mitgliederstatistik im Tischtennisbund führte, die intern als „Stöckmann-Statistik“ bezeichnet wird.

Sein Einstieg in den Journalismus war dagegen eher zufällig, Als die Jugend-Mannschaft seines Vereins in Frintrop, die der ehemalige Bezirksklassen-Spieler betreute, den Titel bei den Bezirksmeisterschaften gewinnen konnte, berichtete er darüber. Der Beitrag erschien im Magazin „deutscher tischtennis-sport“. Das war 1952.

Aus der Liebe zu schreiben, wurde Passion. Der Beruf sei nur zum Geldverdienen gewesen, sagt Stöckmann. „Im Hinterkopf war immer der Sport.“ Und im Jubiläumsbuch der „Essener Sportschau 2014“ klingt auch ein wenig Stolz durch: „Meiner Leidenschaft nachzugehen, ohne dass bisher jemand gesagt hätte: wann hört der Alte endlich auf - das ist eine Gnade für mich und ich bin sehr dankbar dafür.“

Als die Schreibmaschinen der Journalisten aufhörten zu klackern, schickte Winfried Stöckmann seine Berichte per Email an die Redaktion. Die Kenntnisse im Umgang mit dem Computer, auch die brachte er sich im Alter selbst bei. Aber das ist nun alles Geschichte.

Und was nun? Wie läuft’s denn so ganz ohne Zeitung? „Es ist mir erstaunlich leicht gefallen“, sagt Winfried Stöckmann. Er ist nicht mehr so gut zu Fuß, kommt kaum noch aus dem Haus. Aber Lesen, Kreuzworträtseln oder im Internet surfen nach Tischtennis-News, das geht immer. „Das Altern ist aber auch kein reines Vergnügen“, räumt er ein, vor allem, wenn man bis ins hohe Alter stets agil und aktiv gewesen ist. Dass sich der Tischtennissport in Essen in den vergangenen Jahren eher zurückentwickelt habe, das wiederum tröste ihn ein wenig über den Abschied hinweg.

Winfried Stöckmann erhielt eine Menge Auszeichnungen, Ehrennadeln und Plaketten in Gold und Silber. Im Jahr 2000 bekam er das Bundesverdienstkreuz am Bande überreicht. Er blieb jedoch stets bescheiden und machte kein Aufhebens um seine Person und lässt seine umfangreiche Schaffens-Vita selbstironisch enden mit einem Satz des verstorbenen Star-Regisseurs Billy Wilder: „Auszeichnungen sind wie Hämorrhoiden – irgendwann kriegt sie jedes Arschloch.“

Gleichwohl sagen wir als Sportredaktion an dieser Stelle noch einmal vielen, vielen Dank für die Zeilen in all den Jahren. Und Tischtennis kommt weiterhin bei uns ins Blatt. Versprochen.